Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
20. Mai 2018, 17:23
Filed under: Scheune

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

schuppen1

 



Schabernack
20. Mai 2018, 17:20
Filed under: Ernährung

Der Mond hat eine große Kraft
an manchen Tagen, denn er schafft
es im Benehmen mit der Sonne
zu ein’ger Leute Sammlerwonne,
das Meer bei Ebbe von der Küste
ein Stück noch weiter, als er müsste,
hinwegzuziehen. Gravitätisch
und doch präzise wie am Nähtisch
passiert das, und die Leute gehen
und sammeln Muscheln ein. Sie drehen
bei Ebbe jeden Stein um, suchen
nach Meeresfrüchten, und sie fluchen,
wenn sie nichts Gutes finden. Aber
der Mond verulkt den Homo faber
und dessen ganzen Übermut
auch gern einmal und schickt die Flut,
wenn dieser noch nach Krabben schaut.
Dem Mond ist Schabernack vertraut.

Ebbe-2



Z-Kunst
18. Mai 2018, 16:40
Filed under: Welt

Z wie Zucker, Zuckerkunst:
Zucker uns den Leib verhunzt.
Dick macht er und krank. Wenn wir
mit enormer Zuckergier
uns das Leben stark versüßen,
müssen wir das ernsthaft büßen.

Hier will uns die Z-Kunst mahnen,
den Konsum in sich’ren Bahnen
zu belassen. Möglichst wenig
Zucker!, soll dem Kuchenkönig
und dem Kaffeesüßer man
dringend raten, wenn man kann.

Z-Kunst



Karma
18. Mai 2018, 08:30
Filed under: Leben

Ein Brunnen hinterm Hause,
der kühles Wasser speichert,
das Leben sehr bereichert.
Ich mach gern eine Pause

und setz mich an den Fuß
des Brunnens, um zu lauschen.
Ich glaub, ich hör ein Rauschen,
und nehm’s als einen Gruß.

Brunnen



Jadewein
17. Mai 2018, 17:00
Filed under: Pflanzen

Der Jadewein treibt schöne Reben,
die einen Blütenrausch ergeben,
wie er sehr ungewöhnlich ist.

Wer diesen einmal sieht, vergisst
ihn wohl nicht mehr. Es ist die Macht
der jadegrünen Blütenpracht.

Jadewein



Der Stein des Anstoßes
17. Mai 2018, 08:10
Filed under: Welt

Er ist nicht zu übersehen.
Mitten auf dem Weg liegt er,
wo die meisten Leute gehen.
Er, der Stein, stört den Verkehr.

Hässlich ist er, braun und plump,
weder richtig rund noch kantig,
auf den ersten Blick ein Lump,
sein Gesichtsausdruck ganz grantig.

Stein des Anstoßes ist er,
anstößig für jedermann,
der ihn sieht, denn allzusehr
stößt der Stein als solcher an

oder vielmehr ab. Der Stein
kennt hier seinesgleichen nicht,
weiß sich weit und breit allein
und gibt acht, dass er nicht bricht.

Leute nehmen Anstoß an
ihm. Sie machen einen Bogen
um den Stein. Kein Wandersmann
fasst ihn an. Ja, ungelogen:

Stein des Anstoßes zu sein,
eingestuft als übles Ding
stets im Weg zu liegen, kein
Lob – und sei es nur gering –

je zu hören, ist ein Los,
ein vermaledeites Fatum.
Hoffnungslos – doch furios –
flucht der Stein aufs jüngste Datum.

Stein



Der Drachentöter
14. Mai 2018, 15:30
Filed under: Leben

Der Drachentöter macht sein Ding
mit einem Zauberstab. Das ging
bereits bei Harry Potter meist
recht ordentlich vonstatten. Dreist
bewegt der unsichtbare Drache
sich Richtung Drachentöter, Rache
und große prämortale Qual
ihm schwörend für die große Zahl
imaginärer Drachen, die
der Drachentöter, wie wohl nie
zuvor ein Mensch, durch Zauberei
vernichtete. Der zählt bis drei
und richtet seinen Zauberstab
auf diesen Drachen. Sein Gehab
gewinnt an Drama, und man ahnt:
Dem Drachen wird der Weg gebahnt
in das Nirwana jener Drachen,
die lauter böse Sachen machen,
wovon jedoch kein Mensch was hört.
Den Drachentöter dies nicht stört.
Er macht sein Ding und fühlt sich gut.
Und jeder denkt: Der Mann hat Mut …

Drachentöter