Günter Langenbergs Lyrikscheune


Achtbeinig weiter
23. September 2017, 19:53
Filed under: Welt

In meinem Albtraum brennt die Stadt.
Sie ist verdorrt. Kein grünes Blatt.
Die Wüste steht vor ihren Toren.
Die Stadt geht unter, hat verloren
im Spiel der Urgewalten und
verschwindet aus dem Hintergrund.

Die Wüste übernimmt die Stadt.
Sie löscht sie aus und nimmt ihr glatt
die Möglichkeit urbanen Lebens.
Mein Leben wäre dort vergebens.
Die Flammen schlagen hoch, verbrennen
all jene, die die Flucht verpennen.

In meinem Albtraum rette ich
aus diesem Untergang nur mich.
Ich reite ein Kamel zuschanden.
Es war damit nicht einverstanden.
Erschöpft erreiche ich das Meer.
Die Küste zeigt sich menschenleer.

Kein Schiff, kein Boot ist dort am Strand.
Ich quäle meinen Restverstand
und stürze mich ins kühle Meer.
Ich schwimm und schwimme ungefähr
bis Korsika. Als nichts mehr geht,
bleibt mir nur noch ein Stoßgebet.

In meinem Albtraum hilft das Beten
mir weiter. Die Abnormitäten
verleihen mir ein Tauchvermögen,
wie wenn mich tausend Fische zögen.
Am Strand von Korsika entrinne
ich meinem Traum, mutier zur Spinne

und laufe auf acht Beinen nun
vom Ufer weg. Was bleibt zu tun?
Ich rette mich in höh’re Lagen
und muss ein neues Leben wagen.
Als Spinne friste ich mein Dasein.
Dazu fällt mir nur „Oh, là, là!“ ein.

Spinne


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