Günter Langenbergs Lyrikscheune


Black ’n White
21. November 2018, 17:20
Filed under: Leben

Ich nenn das Foto Black ’n White.
Der Titel passt zu diesem Bild.
Es zeigt die Unbefangenheit
des Miteinanders. Diese gilt

nicht nur im Tierreich, sondern auch
für Menschen, die zusammenleben.
Egal ob schwarz, ob weiß der Bauch,
gemeinsam wir nach vorne streben.

Black-White



Balkonien
19. November 2018, 18:30
Filed under: Leben

Balkonien heißt jener Ort,
wo Leute sich zum Smalltalk treffen.
Von Wichtigkeit ist nicht das Wort,
vielmehr das stets perfide Kläffen.

Da trifft zum Beispiel Frau von W.
die beste Freundin am Balkon-
geländer, und die sagt: „Ich geh
jetzt ab, will all den Hass und Hohn

nicht länger mehr ertragen, springe
ins Leere lieber.“ Frau von W.
ist teilnahmslos. Sie harrt der Dinge.
Ihr Date erwartet sie zum Tee.

Balkonien



Albtraum in Gelb
18. November 2018, 16:40
Filed under: Leben

Das letzte gelbe Blatt am Baum
besaß besond’re Zauberkraft.
Ich sah es nachts in einem Traum.
Danach war mir ganz grauenhaft
zumute. Ich rief panisch: „Help!“
und „Hilfe! Weg mit diesem Gelb!“

Blatt



November
17. November 2018, 10:20
Filed under: Leben

November heißt die trübste Zeit,
die im Kalenderjahr wir kennen.
Des elften Monats Eigenheit
macht wünschen, sich von ihm zu trennen.

Der Himmel grau verhangen ist.
Ein kalter Wind bläst stark umher.
Er schüttelt ohne Gnadenfrist
den letzten Baum von Blättern leer.

Das tote Laub liegt faulig-nass
durch hundsgemeinen Nieselregen
am Boden. Und der Baum wirkt blass,
des Wetters und der Trauer wegen.

Er trauert um sein Blätterkleid,
das ihn erst grün, dann braun verzierte,
und nur des Nebels Leichtigkeit,
die ihn von jeher faszinierte,

lässt ihn die Trübsal dann vergessen,
lenkt die Gedanken sonst wohin.
Der Abend naht sich unterdessen.
Die Nacht wird zur Beschützerin.

Des elften Monats Eigenheit
– so wie von der Natur bestimmt –
ist seine Ungemütlichkeit,
die wenig gibt und sehr viel nimmt.

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Zum Trost hier ein wärmendes Bild:

Tischschmuck



Am Seeufer
16. November 2018, 15:00
Filed under: Leben

Am See ist heut‘ nichts los.
Am Wetter liegt es nicht,
denn das ist grandios,
zeigt sich im schönsten Licht.

„Warum ist denn nichts los
hier heut‘? Was ist der Grund?“,
frag ich den Gernegroß,
der grad mit seinem Hund

vorbeikommt, wo ich stehe.
Der bläst sich auf und meint,
es reiche, was man sehe.
Der Hund ist angeleint.

Ich lass ihn von der Leine
und sag dem Gernegroß:
„Zumindest ist der feine
Gefährte hier jetzt los.“

Am See



W wie Weg
15. November 2018, 18:00
Filed under: Leben

Wie weit ist unser Weg?
Die Frage stell ich ihr.
Und andre Fragen leg
ich jetzt beiseite. Mir
kommt’s auf den Weg nur an.
Wie weit ich ihn gemeinsam
mit ihr beschreiten kann.
Das Ende wird dann einsam.

Weg



Rot
15. November 2018, 11:20
Filed under: Leben

Manchmal ist’s das klare Abendrot,
manchmal nur das Rot des Herbstzeitlaubes,
das den Baum so herrlich schmückt, um tot
dann den dunklen Weg des Straßenstaubes
in den Bauch der großen Kehrmaschine
zu verfolgen. Herbstliche Routine.

Rot – Schockschwerenot! – ist eine Farbe,
die man nicht so einfach ignoriert.
Rot ist eine Wunde, manche Narbe
und der Kommunismus, das Geviert
einer Schlachterwanne voller Blut,
das Gesicht von Mitbürgern in Wut.

Rot ist eine Feuersbrunst, die droht
alles zu vernichten. Trumps Krawatten
sind meist rot. Das Autokratenrot
selbstverliebter Staatenlenker. Ratten
fressen gierig rote Futterhappen,
selbst wenn sie dabei in Fallen tappen.

Rot gestrichen ist das kleine Boot,
das mich weit hinaus aufs graue Meer
fährt und mir das nasse Angebot
auszureden weiß, das mir das Meer
wellenförmig macht. Das Boot wirkt zart,
hat jedoch mein Leben mir bewahrt.

Rot