Günter Langenbergs Lyrikscheune


Träume sind Schäume
17. Juni 2018, 05:00
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Dem kleinen Jungen träumt es in der Nacht,
dass auf dem Rücken eines Büffels er
erwacht, als sich der Büffel mit Bedacht
erhebt. Der Junge sitzt ihm ungefähr

im Nacken, was den Büffel fröhlich stimmt.
Er sagt dem Jungen, alles werde sich
fortan zum Guten wenden, und dann nimmt
er in die Welt ihn mit. Gemeinschaftlich

erleben märchenhafte Dinge sie.
So retten sie zum Beispiel die Prinzessin
aus einer Drachenburg, was wohl noch nie
zuvor gelungen ist bei einer Hessin.

Dem kleinen Jungen träumt noch ein’ges mehr,
doch auf dem Rücken eines Büffels geht
die Zeit im Nu dahin. Es wiegt recht schwer,
dass dieser Traum am Morgen nicht besteht.

Traum



Alte Sachen
31. Mai 2018, 19:50
Filed under: Welt

Alte Sachen sind zum Teil genau
das, was Leute mögen. Eine Schau
sind zum Beispiel Burgruinen, die
man begehen kann, die irgendwie
Abenteuerlust in Leuten wecken.
Und dann kommen sie aus allen Ecken,
um sich die Gemäuer anzuschauen
und die alten Sachen, die aus grauen
Zeiten stammen, Dinge, die man so
sicherlich nicht mehr benutzte. Froh
ist man trotzdem, diese alten Sachen
zu betrachten und sich klarzumachen,
wie man früher auf der Burg wohl hauste.
Manches untersucht man aufs Genau’ste.
Alte Sachen haben ihren Charme.
Manches lässt ei’n eher kalt als warm.

Alte Sachen



Kognitive Unterschiede
26. Mai 2018, 18:00
Filed under: Welt

Ein Sprichwort sagt: Wo Licht ist, findet
sich Schatten auch. Wohl wahr! Doch bindet
der Schatten sich nicht immer streng
an einen Gegenstand. Sehr eng
mag sich kein Schatten definieren.
Er möchte vielmehr diff’renzieren
und dem Betrachter Dinge zeigen,
die etwas anders sind. Wir neigen
dazu, bei Schattenbildern mehr
zu sehen, und es fällt nicht schwer,
die Unterschiede zu erkennen.
Oft mögen wir sie nicht benennen.

Schatten



Allmacht
23. Mai 2018, 08:20
Filed under: Welt

Geld ist alles. Geld kauft Macht.
Deshalb beten wir es an.
Geld bewirkt was – bis es kracht.
Trump der Dealer: alter Mann
voller Allmachtsfantasien.
Zeit wird’s, sich dem zu entziehen.

Geld



Zero-ten-go*
23. Mai 2018, 06:30
Filed under: Welt

Ein halber Mond stellt auch was dar.
Zumindest ist die Hälfte klar
zu seh’n am Himmel. Und das freut
heut‘ nicht nur mich. Auch andre Leut‘.

* Japanisch für 0,5

 

Halbmond



Der Stein des Anstoßes
17. Mai 2018, 08:10
Filed under: Welt

Er ist nicht zu übersehen.
Mitten auf dem Weg liegt er,
wo die meisten Leute gehen.
Er, der Stein, stört den Verkehr.

Hässlich ist er, braun und plump,
weder richtig rund noch kantig,
auf den ersten Blick ein Lump,
sein Gesichtsausdruck ganz grantig.

Stein des Anstoßes ist er,
anstößig für jedermann,
der ihn sieht, denn allzusehr
stößt der Stein als solcher an

oder vielmehr ab. Der Stein
kennt hier seinesgleichen nicht,
weiß sich weit und breit allein
und gibt acht, dass er nicht bricht.

Leute nehmen Anstoß an
ihm. Sie machen einen Bogen
um den Stein. Kein Wandersmann
fasst ihn an. Ja, ungelogen:

Stein des Anstoßes zu sein,
eingestuft als übles Ding
stets im Weg zu liegen, kein
Lob – und sei es nur gering –

je zu hören, ist ein Los,
ein vermaledeites Fatum.
Hoffnungslos – doch furios –
flucht der Stein aufs jüngste Datum.

Stein



Kami-sama
12. Mai 2018, 06:30
Filed under: Welt

In einer Felsenhöhle wohnt die Gottheit.
Respektvoll nennt man Kami-sama sie,
und ihre heil’ge Höhle ist ein Schrein,
vor dem sich die Besucher tief verbeugen.

So manche Frau, die diesen Schrein besucht
und still zur Gottheit betet, heimlich hofft,
dass Kami-sama ihren Kinderwunsch
erhört und einen Schmetterling ihr sendet.

Fliegt dieser Götterbote ihr ins Haus,
darf weiterhin sie guter Hoffnung sein.
Auch ich verbeuge mich. Es kann nicht schaden.
Der heil’ge Ort beeindruckt und wirkt nach.

Kami