Günter Langenbergs Lyrikscheune


Kampagne gegen Rot
19. November 2018, 08:50
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Warum nur tragen alle Gartenzwerge
dieselbe Sorte roter Zipfelmützen?
Ich stelle diese Frage und verberge
den Brechreiz nicht. Als würd‘ es einem nützen,

dass Gartenzwerge rote Mützen tragen!
Sie sind Symbol für Umsturz, Bürgerwut
und üble Dinge. Mir platzt schlicht der Kragen.
Ich suche Gleichgesinnte. Wer hat Mut,

mit mir die roten Mützen umzufärben?
Vor Augen sind mir Gartenzwerge, die
für schwarze, blaue, grüne Mützen werben.
Orange wär ganz bestimmt der Dernier Cri.

Gartenzwerge



Sag ’nen Satz … !
16. November 2018, 09:30
Filed under: Welt

Hey, ich war in Werdenberg!
Werdenberg liegt in der Schweiz,
sehr historisch, voller Reiz.

Sag ’nen Satz mit Werdenberg!
Wer den Berg hat, der besitzt
auch das Schloss. – Bin ich gewitzt?*

* Eine Antwort auf diese saudumme
Frage erübrigt sich. Wegen des Reims
war sie die beste aller von mir geprüften
Möglichkeiten, das Gedicht sinnvoll
zu Ende zu bringen.

Werdenberg

 



Die Wetterstation
14. November 2018, 12:40
Filed under: Welt

Wie das Wetter und das Sein
sich erweisen, zeigt der Stein:
Siehst du, dass der Stein ist nass,
ist es Regenwetter, das
diese Nässe mit sich bringt.
Siehst den Stein du weiß, bedingt
– so das klare Resümee –
dieser Zustand sich durch Schnee,
der auf ihn gefallen ist.
Siehst den Stein du doppelt, bist
du besoffen. Wenn den Stein
allerdings man allgemein
gar nicht mehr erkennen kann,
hält wohl Nebel ihn in Bann.
Wie das Wetter und das Sein
sich auch zeigen: Es ist fein!

Wetterstation



Lichteffekte
13. November 2018, 09:50
Filed under: Welt

Wenn unverhofft das Himmelslicht
durch Massen düstrer Wolken bricht,
berührt der Tag mich, will mir sagen,
ihn weiter nicht zu hinterfragen
und vielmehr endlich anzunehmen.
Ich seh im Himmelslicht die Schemen
von Dingen, die ich sehen will.
Mit Andacht schau ich, bin ganz still.

Licht



Zielgenau
12. November 2018, 18:50
Filed under: Welt

Huch, da läuft der Schattenmann!
Selbst wenn’s draußen dunkel ist,
ihn ein jeder sehen kann.
Dieser Mann wirkt seltsam trist.

Schau, der Schattenmann läuft dort
eine Treppe runter, läuft
durch den Hinterhof, den Ort,
wo sich manches Grauen häuft.

Wen verfolgt er? Welche Spur
nimmt er auf? Der Schattenmann
ganz allein die Quadratur
dunkler Kreise schaffen kann.

Bleib der Sache treu, verweg’ner
Schattenmann! Lass niemals locker!
Hau den grauenvollen Gegner
zielgenau vom hohen Hocker!

Schattenmann



Am Filmset
11. November 2018, 03:00
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Der Kojote hob die Pfote.
Er begrüßte Don Quijote
und sein Reitpferd Rosinante,
die er beide lang schon kannte,
jovial per Handschlag. Rote
Käfer applaudierten. Tote
standen auf und sangen Lieder,
und dann legten sie sich wieder
hin. Und Hein, der Götterbote,
mahnte, dass die Einschaltquote
eine Geige spielen müsse.
Rosinante ließ sich Küsse
geben, wovon jeder zwote
ekelhaft zu werden drohte.
Don Quijote hielt sich fest.
Filmsets waren oft die Pest.
Manchmal machte der Kojote
ihm verrückte Angebote.
Heute hatte er die Rolle,
hautnah gegen rätselvolle
Windmühlmonster als Exote
anzukämpfen. Ich verknote
ihre Flügel miteinander,
dachte er sich, und dann wander
ich mit Rosi weiter. Pfote
hin, Kojote her. Quijote,
also Don Quijote, steht,
wenn am Set grad nichts mehr geht,
immer für ’ne Anekdote.
Und zwar eine ohne Zote.

Filmklappe



Träume sind Schäume
17. Juni 2018, 05:00
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Dem kleinen Jungen träumt es in der Nacht,
dass auf dem Rücken eines Büffels er
erwacht, als sich der Büffel mit Bedacht
erhebt. Der Junge sitzt ihm ungefähr

im Nacken, was den Büffel fröhlich stimmt.
Er sagt dem Jungen, alles werde sich
fortan zum Guten wenden, und dann nimmt
er in die Welt ihn mit. Gemeinschaftlich

erleben märchenhafte Dinge sie.
So retten sie zum Beispiel die Prinzessin
aus einer Drachenburg, was wohl noch nie
zuvor gelungen ist bei einer Hessin.

Dem kleinen Jungen träumt noch ein’ges mehr,
doch auf dem Rücken eines Büffels geht
die Zeit im Nu dahin. Es wiegt recht schwer,
dass dieser Traum am Morgen nicht besteht.

Traum